Im SMF-Empfangsbereich fragt eine freundliche Mitarbeiterin nach dem Anliegen. Wenig später bereitet ein junger Mann den Besprechungsraum vor, bringt frischen Kaffee und Getränke und lädt die Besucherinnen und Besucher zum Gespräch. Dort wartet Angela Feuerstein, eine sympathische, nahbare Frau ohne Allüren, Mitglied der Geschäftsleitung der SMF KG und hochengagiert, wenn es um Frauen, Mädchen, Ausbildung und IT geht.
Wirft man einen Blick auf all die Gremien und Aufgabenbereiche, in denen Angela Feuerstein mitarbeitet, dann gibt es nur eine Frage: Wie bringt diese dynamische Frau all das unter einen Hut? "Ganz einfach", sagt sie und lacht: "Disziplin, Unterstützung in der Familie und natürlich eine 60-Stunden-Woche." Dabei verfolgt sie ein großes Ziel: "Normalität" und das bedeutet die Verteilung von 50 zu 50 für beide Geschlechter in der IT-Branche. Damit beginnt sie im eigenen Unternehmen: die Ausbildungsplätze vergibt sie paritätisch, auch wenn sie wesentlich mehr Bewerbungen von männlichen Ausbildungssuchenden erhält. Für ihr besonderes Engagement in der Ausbildung und Förderung junger Frauen in den IT-Berufen erhielt sie 2000 die ausdrückliche Anerkennung im Rahmen des Wettbewerbs "Frauenfreundlicher Betrieb" durch das Frauenministerium NRW.
Ihre eigene Karriere startete Angela Feuerstein vor rund 30 Jahren mit einer Ausbildung zur Bankkauffrau. "Was Ordentliches lernen", lautete der Antrieb, der damals von den Eltern kam. Obwohl ihre Leistungen sehr geschätzt wurden, sah sie für sich nur geringe Perspektiven bei der Bank. Führungspositionen waren dort fast ausschließlich von Männern besetzt; unter den insgesamt 30 Zweigstellenleitern gab es nur eine Frau.
Also stellte sie ihre beruflichen Weichen neu. Zu ihrer Entscheidung trug auch ein Schlüsselerlebnis aus dem 10. Schuljahr bei. Im Rahmen eines Praktikums bei Hertie erlebte sie, wie aus den damals noch üblichen Lochkarten wie von Zauberhand fertige Rechnungen wurden. Fasziniert von der Welt der EDV beschloss sie Ende der 70iger Jahre, Informatikerin zu werden. Ihr damaliger Chef bei der Bank hielt Informatik für Sternenforschung, so unbekannt war die Thematik damals.
Bereits nach sieben Semestern schloss sie ihr Studium 1981 an der Fachhochschule Dortmund erfolgreich ab und konnte sich vor Angeboten kaum retten. Interessantestes Jobangebot für sie war damals, als Organisationsprogrammiererin bei dem Maschinenhersteller Orenstein und Koppel anzufangen. Nach einigen Berufsjahren gründete sie im Jahre 1985 gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihrem Bruder ihr eigenes Software-Unternehmen. Scheinbar nebenbei bekam sie zwei Kinder, die heute 15 und 17 Jahre alt sind.
Nie hat Angela Feuerstein auf ihrem Weg den Blick für die besondere berufliche Situation von Frauen aus den Augen verloren. Der Hintergrund? Als Kind sah sie Frauen in ihrem Umfeld zu Menschen zweiter Klasse degradiert: Von einer Frau brauchte sich ein Mann nichts sagen zu lassen. Ähnliche Erfahrungen setzten sich in der Ausbildung fort: Das Fortkommen von Frauen schien fast unmöglich, als ob unsichtbare, gläserne Decken eingezogen wären, die dies verhindern.
All das setzt in ihr noch heute Kräfte frei, wenn sie Frauen und Mädchen die Vielfältigkeit der Informatik näher bringen will. Was Frauen und Mädchen dazu ihrer Meinung nach am meisten brauchen: "Vorbilder, Netzwerke und Kontakte".
So arbeitete sie in vielen Projekten, die das liefern sollen: "Mathe zum Anfassen", Förderung innovativer Schulentwicklungen in Dortmund oder ein Projekt, in dem 10 Realschülerinnen ein halbes Jahr lang neben der Schule nachmittags in der SMF KG Kenntnisse der Informatik erwarben. Zum Gesamtprogramm für die Mädchen zählten das Training der Grundfertigkeiten am PC, Einblicke in das Unternehmen und ein Präsentationstraining. "Viele Mädchen wissen gar nicht, wie spannend IT-Ausbildungen sind, denn zur Umsetzung ist auch viel Kreativität gefordert."
Ohnehin sieht sie das hiesige Schulsystem im Hinblick auf die Öffnung der Schule zur Wirtschaft noch stark ausbaufähig. Kundenorientierung und unternehmerisches Denken sind heute in der Wirtschaft eine Schlüsselqualifikation, in Schulen bzw. Hochschulen wird dies kaum vermittelt.
Bei aller Kritik freut sich Angela Feuerstein auch über innovative Entwicklungen. In vielen Projekten hat sie Grundsteine gelegt und betrachtet nun, wie die Projekte nachhaltig wachsen: "Besonders wichtig ist es, wenn aus den Erfahrungen bei den jungen Menschen Herzblut entsteht."