Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
  1. Frauen NRW

Barbara Schock-Werner - Dombaumeisterin in Köln

Morgens ist sie die Erste im Büro, beantwortet Briefe und verfasst Texte. Ein Besuch auf der Baustelle steht heute auf dem Programm, Termine mit einem Lichtdesigner und der Leiterin der Glaswerkstatt folgen. Wann immer sie Zeit findet, führt sie ihr Forschungsprojekt über den Drei-Königinnen-Schrein fort. - Ein typischer Tagesablauf für Barbara Schock-Werner. Sie ist seit sechs Jahren Dombaumeisterin auf der ältesten Baustelle Deutschlands, dem Kölner Dom.

Die erste Frau in 750 Jahren Dombau geht eigene Wege

Erstmals in der Geschichte des Kölner Doms leitet damit eine Frau die Restaurierung und Instandhaltung des 750 Jahre alten Denkmals, das zum Weltkulturerbe gehört. Sie beerbte das anspruchsvolle Amt ihres Vorgängers, der 25 Jahre Kölner Dombaumeister war. Jeder Nachfolger wäre einem ständigen Vergleich ausgesetzt gewesen, sie als Frau hatte es da einfacher, glaubt Prof. Dr. Barbara Schock-Werner. So startete sie mit viel Wohlwollen und Willkommensbekundungen in den neuen Job. Behutsam schlägt sie neue Wege ein und kreiert einen modernen Führungsstil, der verstärkt die Teamarbeit fördert und fordert. Auch die Prioritäten auf der Baustelle verschiebt sie langsam. Barbara Schock-Werner will weder selbst noch mit dem Dom um jeden Preis nach außen strahlen. Sie beginnt zunächst mit dringend notwendigen Restaurationen im Inneren des Doms.

Nicht zur Dombaumeisterin geboren

Noch vor 30 Jahren wäre eine Dombaumeisterin in Köln undenkbar gewesen. Und auch Barbara Schock-Werner fühlte sich nicht qua Geburt zur Dombaumeisterin berufen. Aber als vor elf Jahren das Amt des Dombaumeisters zu Köln zur Verfügung stand, hat sie nicht lange gezögert und bewarb sich.

Schon in der Schule hegte Barbara Schock-Werner besondere Ambitionen für Kunst und Mathematik. Beides wollte sie in ihrem späteren Beruf unbedingt kombinieren und studierte Architektur. Doch bald erkannte sie, dass sie nicht zur Stararchitektin geboren war. Ihre Stärken lagen im analytischen Bereich, weniger im kreativen. So entschied sie sich für die Denkmalpflege. Sie wollte mehr über die Dinge wissen, studierte Kunstgeschichte, mittelalterliche Zeichnungen und gotische Architektur. Schließlich promovierte sie zum Thema: "Das Straßburger Münster im 15. Jahrhundert."

Doch als Dombaumeisterin ist heute wesentlich mehr als nur ihr fachliches Know-how gefragt. Ihre Arbeit erfordert vor allem Organisation und soziale Kompetenz. Vom Handwerker über den Geistlichen bis zum Vertreter der Medien managt sie souverän berufliche Beziehungen zu unterschiedlichsten Menschen.

Mit dem Kölner Dom im Zentrum des Interesses

Laufend erhält Barbara Schock-Werner Anfragen über sich und ihre Arbeit, die sie alle mit viel Engagement beantwortet. Die Zusammenarbeit mit Medien ist ihr sehr wichtig, denn schließlich ist ein positives Image eine Voraussetzung für die weitere Förderung. Die Restaurierung wird aus vielen Töpfen finanziert, Zuschüsse vom Land, des Erzbistums und der Stadt Köln, außerdem gehen viele Spenden über den Zentral-Dombau-Verein ein, zusätzlich erhält dieser Geld aus dem Spiel 77.

Damit diese Quellen nicht versiegen, hält Barbara Schock-Werner Vorträge und gibt ein Seminar pro Semester an der Universität Bonn. An vielen Arbeitstagen schließen sich Abendtermine mit Sponsoren und Stiftungen an. Der Job als Dombaumeisterin ist weder einfach noch geradlinig und bringt ein anstrengendes Leben mit sich. Doch Barbara Schock-Werner bewältigt alle Momente des Zweifelns mit dem Motto: "Nie aufgeben, auch wenn es manchmal düster aussieht!"

(frauennrw.de 2010)

 

Lesben

img_marginalie_lesben

 

Beratungsstellenfinder

Karte_NRW