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Christina Essenberger: Aus der Provinz zum Internationalen Frauenfilmfestival

Christina Essenberger ist die neue Geschäftsführerin des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund/Köln (IFFF Do/K). Aus dem kleinen Dorf Enger bei Bielefeld kommend, wusste sie nur, dass sie hinaus in die Welt und etwas mit Kunst und Kultur machen wollte. Eine Art Masterplan, wo die Reise hingehen soll, hatte sie sich nicht zurechtgelegt. Nach vielen Suchbewegungen zieht sie nun die Stränge hinter den Kulissen und sorgt seit Sommer 2007 mit ihrem Team dafür, dass das internationale Filmschaffen von Frauen auf einem der größten und bedeutendsten Frauenfilmfestivals weltweit präsentiert wird.

In der Provinz

Christina Essenberger erging es wie vielen Jugendlichen, die irgendwo in einem Provinznest aufgewachsen sind: Die letzte Buslinie in die nächstgrößere Stadt fährt das letzte Mal um 18 Uhr und das Highlight an Wochenendbeschäftigungen ist der große Scheunenball der Landjugend im Sommer. Christina Essenberger merkt bald, dass das nicht alles sein kann. Sie sucht nach Möglichkeiten, ihre Liebe und Passion zu Literatur, Kunst und Kultur in ihrem Heimatdorf zu verwirklichen. Das Heimatdorf heißt Enger. "Eigentlich müsste man es noch enger fassen und Enger-Dreyen sagen", so die 43-Jährige mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Sie wirkt ruhig und konzentriert, wenn sie von ihrer Vergangenheit erzählt. Ab und zu streicht sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

Religiöses Elternhaus

Essenberger kommt aus einem sehr religiösen Elternhaus. Nach Ansicht ihrer Eltern waren Theater und Kunst "weltliche Dinge, von denen man sich fernzuhalten hatte". Eingeengt hat sich die junge Frau aber nie gefühlt: "Im Gegenteil: meine Mutter und mein Vater haben mich immer machen lassen." Während ihrer Schulzeit auf dem Gymnasium macht sie begeistert bei der Schultheater- und Kunst-AG mit - "schließlich muss man jede Möglichkeit nutzen, die einem geboten wird". Obwohl schon auf kulturelle Bahnen gelenkt, verfällt Essenberger nach ihrem Abitur in eine Orientierungslosigkeit: "Ich hatte so vieles in meinem Kopf. Irgendwann wollte ich auch mal Journalistin werden."

Prägende Bielefelder Zeit

Ab 1984 studiert sie ihrem Interesse folgend "ganz schön lange" Literaturwissenschaft, Linguistik und Kunst an der Universität Bielefeld. Und jobbt nebenher in einem Plattenladen, beim Kino, in einem Jugendkulturzentrum, als DJ für Independent-Musik, Schauspielerin und Kamera-Assistentin beim WDR. Wichtig erscheint im Rückblick ihre Arbeit im Jugendzentrum "Falkendom", wo sie Auftritte unter anderem von Helge Schneider oder auch Ingolf Lück organisiert, sowie ihre Tätigkeit im Filmhaus Bielefeld. Hier engagiert sie sich ab 1989 im Vorstand und betreut die Anfänge des Mondscheinkinos. Im Programmkino "Lichtwerk" lernt Essenberger Anträge zu stellen und abzurechnen. "Das Handwerkszeug", wie die Neudortmunderin sagt.

Vom Film zum Theater

Nach dem Studium verdient sie ihr Geld im ersten richtigen Job jedoch nicht mit der Organisation von Film-, sondern von Theatervorführungen. "Durch die Arbeit beim Mondscheinkino kannte ich das System der regionalen Kulturförderung gut und hatte meine Kontakte", erklärt sie. Von 1999 bis zum Sommer 2007 arbeitet sie freiberuflich für das Theaterlabor im Tor 6. Das Theaterlabor ist eine freie Gruppe mit acht Schauspielerinnen und Schauspielern. Zu Christina Essenbergers prägendem Wirken in dieser Institution zählt die Organisation des Internationalen Theaterfestivals "360°".

Teamarbeit

"Die Arbeit im Theaterlabor erfolgte stets im Kollektiv - es gab keine Hierarchien. Natürlich hatte jeder seinen Schwerpunkt, so war ich für die kaufmännische Leitung des Theaterfestivals zuständig, später auch für die dramaturgische, aber viele Entscheidungen wurden doch im Team gefällt", erzählt Essenberger. Teamarbeit hat für sie daher oberste Priorität, auch in ihrer neuen Funktion als Geschäftsführerin des IFFF Do/K. Gemeinschaftlich etwas erreichen, das ist es, was für die neue Geschäftsführerin am wichtigsten ist. "Gerade um Weihnachten herum hatten wir in der Vorbereitung des Internationalen Frauenfilmfestivals eine echt harte Zeit. Aber mit so einem tollen Team macht die Arbeit richtig Spaß", schwärmt sie.

Unterstützung von Filmemacherinnen

Inhaltlich ist Christina Essenberger mit ihrer neuen Aufgabe zu ihren filmischen Wurzeln zurückgekehrt. Ein Freund hatte ihr die Ausschreibung der Stelle als Geschäftsführerin beim IFFF Do/K gemailt und sie zögerte nicht lange. "Ich wollte mich weiterentwickeln." Sie hatte schon einmal die "Feminale" in Köln besucht und war von dem Festival begeistert. "Dass ich jetzt bei einem Frauenfilmfestival arbeite, ist für mich als Frau natürlich etwas Besonderes", so Essenberger zu ihrer neuen Arbeitsstelle. Sie freut sich darüber, mit dem Festival Filmemacherinnen unterstützen zu können: "Es gibt zwar viele Frauen in der Filmbranche, nur arbeiten sie meist als Assistentin".

Link:

(frauennrw.de, 28.04.2008)

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