Inka Grings ist eine der erfolgreichsten deutschen Fußballspielerinnen. Die Liste ihrer Auszeichnungen ist lang und beachtlich. Zuletzt war sie in 2009 Europameisterin mit der Nationalmannschaft, Torschützenkönigin der Europameisterschaften, mit 29 Toren Torschützenkönigin der Frauen-Bundesliga und mit ihrem Verein FCR 2001 Duisburg DFB-Pokal-Siegerin, Spielerin der Saison und UEFA Womens`s Cup Siegerin. Die "Krönung" bildete die Wahl zu Deutschlands "Fußballerin des Jahres 2009". Am 15. Mai will die 31-Jährige mit ihrem Team Siegerin des DFB-Pokal-Endspiels im Kölner Rhein Energie Stadion werden und hat sich intensiv darauf vorbereitet.
Inka Grings hat schon fast ihr ganzes Leben lang den Fuß am Ball. Ihr großer Bruder nahm sie mit zum Jungenfußball; erst stand sie am Rand, doch schon bald wollte und durfte sie mittrainieren. Schließlich wurde sie 1984, gerade sechsjährig, als einziges Mädchen in den Düsseldorfer Klub TSV Eller 04 aufgenommen. Sie hatte ihre Leidenschaft gefunden und landete über verschiedene Vereinsstationen schließlich mit 16 beim heutigen FCR 2001 Duisburg, bei dem sie heute noch unter Vertrag ist. Die gebürtige Düsseldorferin wurde sofort Stammspielerin und in den folgenden Jahren eine der erfolgreichsten Torjägerinnen der Bundesliga. 1996 hatte sie ihr Debüt als Spielerin der Deutschen Nationalmannschaft im Spiel gegen Finnland. Anschließend begann ihr steiler Aufstieg zu einer der bekanntesten, begabtesten und torstärksten Stürmerinnen.
"Ich kann noch normal herumlaufen"
Dabei versucht sie, sich den Erfolg nicht zu Kopf steigen zu lassen. "Ich habe meine beste Freundin von Anfang an gebeten, mir Bescheid zu geben, wenn ich mich negativ verändere. Bisher habe ich noch keine Beschwerde bekommen!"
Durch ihre Erfolge steht die Sportlerin stark in der Öffentlichkeit, doch es ist noch "nicht so extrem wie bei den Herren", erzählt sie. Es sei ein schönes Gefühl, durch die Öffentlichkeit soviel Anerkennung für ihre Leistungen zu erhalten und Rückmeldungen von Leuten zu bekommen, die sie gar nicht kennt. Wenn sie in ihrer Wahlheimat Köln mit ihren beiden Hunden unterwegs ist, erkennen sie schon einmal Leute, aber "ich kann noch normal herumlaufen".
Fußball kommt nach Gesundheit, Familie und Freunde
Ihre beiden Hunde bedeuten ihr viel, genauso wie ihre Familie und ihre Freunde. Das war nicht immer so. "Eine ganze Zeit lang hat der Fußball mein Leben absolut regiert. Meine Erfolge waren für mich das "non plus ultra"." Doch im Hochleistungssport bleiben körperliche Verletzungen meist nicht aus, und Inka Grings hat das schmerzhaft am eigenen Körper erfahren. Neben vielen kleineren Verletzungen zeigten ihr eine Meniskusoperation und ein Kreuzbandriss die Grenzen auf.
"Früher dachte ich, je mehr ich trainiere und je weniger Pausen ich mache, desto besser ist das für mich. Aber es ist genau das Gegenteil der Fall. Wenn ich mich heute müde oder angeschlagen fühle, nehme ich mir eine Auszeit."
Der Fußball spielt nach wie vor eine äußerst wichtige Rolle in ihrem Leben, aber er kommt nach Gesundheit, Familie und Freunden, nicht mehr davor. "Ich habe mich durch meine Verletzungen auch persönlich entwickelt und verändert und weiß meine Gesundheit und Beweglichkeit wesentlich mehr zu schätzen als früher."
Priorität hat die Fußball-WM 2011
Wie lange sie ihre Karriere auf so hohem Niveau fortführen kann, weiß die Nationalspielerin nicht. Absolute Priorität hat die Fußball-WM 2011. Ihr Vertrag läuft zunächst bis 2012, was danach kommt, lässt sie offen. "Ich muss sehen, wie ich mich körperlich und mental fühle. Es gibt kein Haltbarkeitsdatum beim Fußball, sondern es kommt darauf an, ob ich fit bleibe, dem Druck stand halte und es schaffe, die Freude an diesem Sport zu behalten." Der Trainingsaufwand ist enorm. Inka Grings trainiert fünf bis sechs Mal die Woche jeweils eine Einheit von rund zwei Stunden. Dazu kommen die Spiele mit ihrem Verein und als Nationalspielerin inklusive Fahrten. Viel Raum für andere Dinge bleibt da nicht, deswegen hat sie auch ihre frühere Arbeit als Versicherungsvermittlerin aufgegeben. Diese Tätigkeit findet in der Regel hauptsächlich nach Feierabend der Kundschaft statt - doch in dieser Zeit ist die Stürmerin auf dem Rasen.
Sportförderung durch die Bundeswehr
Inka Grings war übrigens von 2002 bis 2006 Zeitsoldatin. Jeweils ein bestimmtes Kontingent von Nationalspielenden hat die Möglichkeit, nach einer zweimonatigen Grundausbildung inklusive Schießen und Marschieren in eine Sportfördergruppe der Bundeswehr einzutreten. "Wir haben zwei Mal am Tag trainiert und ich konnte mich komplett auf den Fußball konzentrieren. Daneben habe ich richtig gutes Geld verdient", erinnert sie sich. Ein Mal in der Woche gehörte ein praktischer Bundeswehrtag zum Arrangement. In diesen vier Jahren kam die Fußballerin mit den Übungen und dem Training an ihre Grenzen: "Es hat meinen Willen und Ehrgeiz noch mehr geschult, wirklich auch einmal über die Schmerzgrenze zu gehen. Das ist etwas, was ich im gewöhnlichen Alltag nicht erlebe."
Höchstleistung mit Emotionen und Freude
Auf ihre Spiele bereitet sie sich innerlich nicht besonders vor. "Ich bin auch nicht aufgeregt, sondern freue mich auf das Spiel. Und nur mit Emotionen und Freude kann ich meine Höchstleistung auf dem Spielfeld bringen", verrät Inka Grings. Wenn sie nach einem Spiel frustriert ist, braucht sie die ersten ein, zwei Stunden Ruhe, hört Musik und zieht sich zurück, wenn es geht. Ist sie auf einer Rückfahrt, hört sie im Bus Musik, lässt das Spiel Revue passieren und hakt dann ab, was sie "eh nicht mehr ändern kann".
Frauenfußball wird nach wie vor wesentlich weniger wahrgenommen als Männerfußball. Grings erklärt dies damit, dass Fußball immer noch als Männersportart Nummer Eins angesehen wird. Zwar sei das nicht mehr so extrem wie vor fünfzehn Jahren (als sie als junge Spielerin noch die absolute Ausnahme war), aber es sei in den Köpfen verankert. "Wir bekommen einfach noch nicht die Beachtung wie die Herren. Wenn es nach unseren Erfolgen ginge, müssten wir ja weit über den Herren stehen!"
Deutschlands Fußballerin des Jahres 2009 ist sich jedoch sicher, dass der Frauenfußball durch die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr einen Riesenschritt nach vorne macht. "Das wird unsere Chance sein, vielen Leuten, die gar nichts vom Frauenfußball halten, zu zeigen, wie anerkannt diese Sportart mittlerweile ist!"
Doch zunächst konzentriert sie sich voll und ganz auf das DFB-Pokal Endspiel in Köln. "Wir haben hier in Köln ein super Stadion, die Kölner sind verrückt auf uns und die Stimmung wird toll werden. Und ich werde alles geben!"
(frauennrw.de, 10.05.2010)