Bereits mit 35 Jahren wurde Sigrid Metz-Göckel als Professorin an die Universität Dortmund berufen. Damals, 1976, war die Sozialpsychologin eine von nur drei Professorinnen und vermisste Kollegialität. "Ich kam mir vor wie ein Kamel in der Wüste, das wochenlang ohne Wasser auskommen muss. Da blieb mir gar nichts anderes übrig, als Frauen um mich herum zu scharen", sagt Metz-Göckel. Die Biografie der mittlerweile emeritierten Professorin entspricht heute einem Stück feministischer Zeitgeschichte und ihr Name ist eng mit der Institutionalisierung der Frauenforschung in Nordrhein-Westfalen verbunden.
Obwohl Metz-Göckel sich als "Kriegsfeministin" bezeichnet, ist ihr geschlechtersensibler Blick erst gewachsen als sie Professorin war. Geboren wurde sie 1940 in Oberschlesien. Nach langen Fluchtbewegungen siedelte ihre "Restfamilie" 1950 nach Ostfriesland über. Ihren Vater, der an der Front starb, hat sie nie kennen gelernt. Sie und ihre Geschwister wurden von der Mutter alleine großgezogen. "Ich habe in meiner Kindheit viele starke Frauen erlebt," sagt sie rückblickend. Doch als Professorin und Beauftragte für den Aufbau des Hochschuldidaktischen Zentrums an der Universität Dortmund fühlte sie sich nicht anerkannt und als Außenseiterin. "Zum einen, weil ich jung aussah und nicht wie eine Professorin, zum anderen, weil die Hochschuldidaktik von vielen nicht ernst genommen wurde. Ich habe dann verschiedene Frauengruppen gebildet, um für mich ein Stück Normalität herzustellen."
"Ich bin eine Grenzgängerin zwischen Politik und Wissenschaft", sagt sie von sich selbst. Nachdem sie die ersten Frauenseminare an der Universität Dortmund organisiert hatte, ging es mit ihrem wissenschaftspolitischen Engagement Schritt um Schritt weiter. 1979 initiierte sie das Frauenforum im Revier, bei dem mehr als 2000 Frauen zum ersten Mal eine Universität von innen sahen. "Es war eine stürmische Zeit damals." Aus den weiteren Frauenforen entstanden nach einigen Jahren die 'Frauenstudien' als Weiterbildungsstudium. 1981 gründete sie den 'Arbeitskreis Wissenschaftlerinnen', der die Frauenhochschulpolitik in Nordrhein-Westfalen mit gestaltet hat. "Wir haben zum Beispiel dafür gekämpft, dass die Zeit einer Beurlaubung aufgrund von Mutterschaft an befristete Verträge angehängt wird." 1986 hob sie mit Kolleginnen das 'Netzwerk Frauenforschung NRW' aus der Taufe. Anfang der 90er Jahre erreichte sie mit weiteren Professorinnen aus diesem Netzwerk, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft erstmals ein Graduiertenkolleg zur Frauenforschung finanzierte.
Als energiegeladen, beharrlich und streitlustig beschreiben sie ihre Weggefährtinnen und Weggefährten, als eine, die Sand ins Getriebe streut und ihre Ziele letztlich mit virtuoser Gesprächsführung und mädchenhaftem Charme durchsetzt. Agil, jugendlich und kämpferisch wirkt sie auch noch jenseits der 65. "Was Frauen nicht fordern, das bekommen sie nicht", so ihr Credo. Zu ihren wichtigsten wissenschaftlichen Veröffentlichungen jüngeren Datums gehört das Portrait eines amerikanischen Women's College, anhand dessen sie Exzellenz und Elite im amerikanischen Hochschulsystem untersucht hat. Auch wenn sich Sigrid Metz-Göckel 2005 aus dem aktiven wissenschaftlichen Leben verabschiedet hat, ist sie natürlich nicht im Ruhestand. Sie wirkt beim 'Netzwerk Frauenforschung NRW' mit und hat die Stiftung 'Aufmüpfige Frauen' gegründet. "Das ist mein Alterswerk", sagt sie. Die Stiftung unterstützt starke und mutige Frauen, die etwas Originelles, dem Allgemeinwohl Dienendes geleistet haben. Alljährlich wird die Auszeichnung "Aufmüpfige Frau des Jahres" verliehen. Und Sigrid Metz-Göckel betreibt weiterhin Nachwuchsförderung für die Wissenschaft, denn "Professorin zu sein, ist ein Traumberuf für Frauen".
(frauennrw.de, 18.03.2008)