Frauenkulturbüro Nordrhein-Westfalen fordert Quotierung bei der Vergabe von Stipendien
Künstlerinnen machen ungefähr ein Drittel der professionellen Kunst- und Kulturschaffenden in Nordrhein Westfalen aus. In Führungspositionen ist ihr Anteil jedoch deutlich geringer. Ein Beispiel hierfür ist das Theater. Bundesweit gibt es derzeit 432 Männer und nur 109 Frauen in der Position der Bühnenleitung, was in etwa einem Anteil von 80 zu 20 Prozent entspricht. "Das liegt vor allem daran", so die Leiterin des Frauenkulturbüros Nordrhein-Westfalen, Ursula Theißen, "dass die deutsche Theaterszene schon immer traditionell von Männern geprägt war." Auch wenn immer weniger Besucherinnen und Besucher in die Theater gehen und der Besucheranteil an Migrantinnen und Migranten nach wie vor verschwindend gering ist, es werde erst einmal an den alten Konzepten festgehalten, kritisiert Theißen, und die sähen Männer in den Intendantenrollen vor.
Die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen im Theater beginnt schon bei der Ausbildung. So vergibt die Akademie Musiktheater heute in Frankfurt jährlich für jeweils zwei Jahre 15 Stipendien an Interessierte aus den Sparten Dirigieren, Dramaturgie, Intendanz, Komposition und Regie sowie Kostüm- und Bühnenbild mit dem Berufsziel Regie. Obwohl die Ausschreibung von der Sprache her nur männliche Bewerber anspreche, hätten sich bei den letzten Bewerbungsverfahren mehrheitlich Frauen um ein Stipendium bemüht, so der Kommentar des Frauenkulturbüros zur Ausschreibung der Stipendien. 2007 haben sich 53 Männer und 55 Frauen beworben. Einen der begehrten Studienplätze erhielten allerdings elf Männer und nur vier Frauen. "In Anbetracht der Tatsache, dass Frauen in Spitzenpositionen am Theater immer noch erheblich unterrepräsentiert sind, wäre hier eine Quotierung außerordentlich sinnvoll!" so Ursula Theißen. 2008 haben sich sogar noch einmal deutlich mehr Frauen beworben. Das Verhältnis liegt diesmal bei 48 Männern zu 56 Frauen. Wie die Stipendienvergabe in diesem Jahr ausfällt, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung wird Ende November bekannt gegeben.
"Die Vorurteile gegenüber Frauen in Spitzenpositionen im Kulturbetrieb sind nach wie vor noch sehr hoch. Da ist Deutschland - wie in so vielen anderen Bereichen - das Schlusslicht", fasst Ursula Theißen zusammen. Eine Künstlerin, die es international geschafft hat, ist die Choreografin Pina Bausch vom Tanztheater Wuppertal. Amanda Miller hat die Künstlerische Leitung von "pretty ugly tanz köln" an den Bühnen der Stadt Köln "Die beiden sind aber auch die einzigen Direktorinnen eines kommunalen Tanztheaters in NRW!", macht die Leiterin des Frauenkulturbüros auf das Ungleichgewicht aufmerksam. Bereits im Oktober 2005 veranstaltete das Frauenkulturbüro im Schauspielhaus Düsseldorf eine Podiumsdiskussion zum Thema "Theaterfrauen in Spitzenpositionen". Renommierte Theaterfrauen diskutierten an diesem Tag über Frauen im Theater, Professionalität, Individualität, Netzwerke und Karrieresprünge. Dabei zeigte sich insbesondere, dass den Theaterfrauen ein Netzwerk fehlt. "Der ständige Ortswechsel von Spielzeit zu Spielzeit etwa bei den Intendantinnen macht dies sehr schwierig", so die Einschätzung von Theißen.
Aus dem Hearing im Düsseldorfer Schauspielhaus sind Handlungsempfehlungen und Forderungen an Verbände, öffentliche Theater, Festivals und Ausbildungseinrichtungen sowie Ideen für die Entwicklung eines Netzwerks für Theaterfrauen hervorgegangen. Ursula Theißen bedauert es, dass dem Frauenkulturbüro die Mittel fehlen, um die Arbeit in diesem Bereich fortzusetzen. Auf den Internetseiten des Frauenkulturbüros finden sich unter dem Menüpunkt "Theater" allerdings die Namen von Schauspielerinnen, Regisseurinnen und Kabarettistinnen mit ihren Homepages, so dass die Theaterfrauen untereinander Kontakt aufnehmen können.
Internetseiten des Frauenkulturbüros NRW e.V.
Dokumentation des Theaterprojekts vom FKB von 2005
Akademie Musiktheater heute
(frauennrw.de, 30.09.2008)