Mädchen und Frauen lernen Umgang mit Werkstoffen und Werkzeugen
Am 25. September feiert das Handwerkerinnenhaus Köln (HWH) mit einem großen Fest sein 20-jähriges Jubiläum. In unzähligen Kursen hat die Einrichtung im Laufe ihrer Geschichte Mädchen und Frauen handwerkliches Arbeiten nahe gebracht. Das Herzstück des HWH war von Beginn an die Mädchenarbeit. Heute feilen, hobeln oder schweißen jährlich zwischen 1.600 und 1.800 Mädchen in den Werkstätten in Köln Nippes und finden auf diese Weise spielend Zugang zu Berufsfeldern im handwerklich-technischen Bereich.
Ende der 1980er-Jahre wurden im Rahmen der bundesweiten "Frauen ins Handwerk"-Offensive zahlreiche Mädchen zu Gesellinnen ausgebildet. Sie fanden jedoch keine Anstellung im männlich dominierten Handwerk. Lie Selter, damalige Leiterin des Kölner Frauenamtes, wollte diese Handwerkerinnen mit der Gründung eines Frauenstammtisches unterstützen. Hier liegt die Geburtsstunde des Handwerkerinnenhauses Köln. Nach der Gründung des Vereins im Jahr 1989 wurde 1990 das erste Büro in der Annostraße eingerichtet, 1991 erfolgte der Umzug in die Räume des historischen "Worringer Bahnhofs" in Köln-Nippes. 1996 wurde der Grundstein für die erste Mädchenwerkstatt gelegt. Heute verfügt das HWH über drei voll ausgestattete Werkstätten und wurde mehrfach für seine Arbeit ausgezeichnet.
"Unsere Kurse werden weit über den Kölner Raum hinaus gebucht und sind sehr beliebt", freut sich Christiane Lehmann, eine der Vorstandsfrauen und selbst Tischlerin und Sozialarbeiterin. In den Werkstätten werden wie in einer Mini-VHS Kurse in den Bereichen "Reparaturen im Haushalt", "Sanitär", "Schrott schweißen", "Holzkurse", "Fußbodenlegen" oder "Reparaturen von Fahrrad, Motorrad oder Autos" angeboten. Alle Kurse werden von Fachfrauen geleitet.
Um das Berufswahlverhalten von Mädchen in Richtung Handwerk zu erweitern, bietet das HWH verschiedene Projekte in Kooperation mit über 50 Schulen und Jugendeinrichtungen an. "Holly Wood" ist ein umfangreiches Berufsorientierungsprogramm für Schülerinnen ab Klasse 5. Das Projekt gilt als landesweites "good practice Modell" im Sinne der handwerklichen Förderung von Mädchen und wird unter anderem vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales gefördert.
Mit "Pfiffigunde", einem werkpädagogischen Konzept, werden schulmüde Mädchen begleitet. Ziel ist es, einer Verweigerung des Schulbesuchs vorzubeugen. Im Projekt "Kneifzange" werden bereits schulmüde oder die Schule verweigernde Mädchen handwerkspädagogisch betreut. Schulverweigerinnen erhalten täglich praktischen und theoretischen Unterricht und können den Hauptschulabschluss erwerben. Auch diese Maßnahme wurde als eines von 40 Projekten für schulmüde Mädchen vom Deutschen Jugendinstitut als "best practice" ausgezeichnet.
Darüber hinaus stehen Gesellinnen und weibliche Auszubildende in Informationsveranstaltungen Rede und Antwort. Sie geben Einblicke in ihren Arbeitsalltag und dessen Höhen und Tiefen.
Am Freitag, 25. September 2009, lädt das HWH ab 20 Uhr in den Altenberger Hof, Mauenheimer Straße 92, in Köln Nippes zur großen Party mit einer Liveband ein.
(frauennrw.de, 11.09.2009)