In Deutschland könnte das Bruttoinlandsprodukt um 29 Prozent steigen
Eine bessere Gleichstellung von Frauen und Männern im Beruf könnte europaweit zu einer Steigerung der Wirtschaftsleistung von 15 bis 45 Prozent führen. So lautet das Ergebnis einer Studie der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft. Laut EU-Beschäftigungskommissar Vladimir Spidla sei es besonders zur Bewältigung der Wirtschaftskrise notwendig, vorhandene Potenziale auszuschöpfen und alle mit ihren Fähigkeiten einzubinden. Die Ergebnisse der Studie wurden im Oktober auf einer Konferenz zum Thema "Geschlechtergleichstellung als Motor des Wirtschaftswachstums" in Stockholm diskutiert.
Wenn die Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt verwirklicht wäre, könnte das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 29 Prozent steigen. Ein wichtiger Ansatzpunkt wäre es, die Erwerbstätigkeit von Frauen mit Familienpflichten zu erleichtern. Denn über 60 Prozent der nicht berufstätigen Frauen im Alter zwischen 25 und 49 standen 2007 aufgrund familiärer Verpflichtungen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Wachstumssteigernd würde es sich auch auswirken, wenn weniger Frauen einer Teilzeitbeschäftigung nachgingen und wenn sich die Kluft zwischen den durchschnittlichen Männer- und Frauenlöhnen verringern würde.
Die Frauenbeschäftigungsquote stieg zwischen 1998 und 2008 EU-weit von 52 auf 59,1 Prozent und nähert sich somit dem für 2010 angepeilten Lissabon-Ziel von 60 Prozent. Nach wie vor bestehen aber quantitativ als auch qualitativ große Unterschiede zur Beschäftigungsquote der Männer, die um 13,7 Prozentpunkte höher ist. Frauen verdienen im Durchschnitt weniger, müssen unfreiwillig Teilzeit arbeiten, und der Arbeitsmarkt ist immer noch in "weibliche" und "männliche" Berufe aufgeteilt. Am Rande der Konferenz trafen sich auch die Ministerinnen und Minister für Geschlechtergleichstellung, Finanzen und Wirtschaft. Die Ergebnisse dieser Gespräche sollen in die künftige EU-Strategie für Wachstum und Beschäftigung einfließen.
(frauennrw.de, 30.11.2009)