Mit Herta Müller erhält zum ersten Mal eine Deutsche den Literaturnobelpreis.
Wenn am 10. Dezember 2009 in Stockholm die Nobelpreise an 13 Personen verliehen werden, sind darunter fünf Frauen. Zwei davon sind besonders hervorzuheben: Herta Müller, die als erste deutsche Frau den Literaturnobelpreis erhält, und die US-Amerikanerin Elinor Ostrom, die als erste Frau überhaupt mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet wird.
Die Schriftstellerin Herta Müller wurde im rumänischen Nitzkydorf geboren. Sie gehört mit 56 Jahren zu den jüngeren Nobelpreisträgerinnen und -preisträgern. Herta Müller wird für ihr Lebenswerk geehrt, das sich mit einer düsteren Vergangenheit unter dem Ceausescu-Regime und Erfahrungen der deutschen Minderheit im Land auseinandersetzt. Die Autorin habe "mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit" gezeichnet, erklärte das schwedische Preiskomitee.
Die Politologin Elinor Ostrom, erhält den Wirtschaftsnobelpreis für ihre Forschung zur Frage, wie Gemeinschaftsgüter, bei denen eine Rivalität in der Nutzung besteht (beispielsweise die Fischgründe im Meer) nachhaltig bewirtschaftet werden können. Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften wurde von der schwedischen Reichsbank aus Anlass ihres 300-jährigen Bestehens gestiftet und 1969 zum ersten Mal verliehen. Die Auszeichnung teilt sich Elinor Ostrom mit ihrem Landsmann, dem Ökonomen Oliver E. Williamson.
Weitere Frauen, die in diesem Jahr den begehrten Preis erhalten, sind die US-Amerikanerinnen Elizabeth H. Blackburn und Carol W. Greider. Sie haben das Enzym Telomerase entdeckt, das die Alterung von Zellen aufhält. Den Medizinnobelpreis teilen sie sich mit Jack W. Szostak. Die Israelin Ada E. Yonath ist Nobelpreisträgerin für Chemie. Gemeinsam mit dem Amerikaner Thomas A. Steitz und dem Engländer Venkatraman Ramakrishnan trug sie dazu bei, das Geheimnis der Ribosome zu entschlüsseln. In den Ribosomen, auch Eiweißfabriken genannt, wird die genetische Information in Proteine übersetzt.
Die Nobelpreise und der Wirtschaftsnobelpreis werden von der Nobelstiftung in Stockholm, Schweden jährlich in den Bereichen Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur, Frieden und Wirtschaft verliehen. Seit 1901 insgesamt 537 Mal. 41 der insgesamt 829 Preisträgerinnen und -preisträger, also rund fünf Prozent, sind Frauen. Eine dieser Frauen, Marie Curie, wurde zweimal mit dem Nobelpreis ausgezeichnet: 1903 in Physik und 1911 in Chemie.
In den Kategorien Literatur und Frieden hatten Frauen bisher die größten Chancen, einen Nobelpreis zu erhalten. Von den 102 verliehenen Literaturnobelpreisen an 106 Personen gingen zwölf an Frauen (11,3 %). Der Friedensnobelpreis wurde bisher 90 Mal an 120 Personen, davon zwölf Frauen (10 %) vergeben.
Wesentlich geringer ist der Frauenanteil in den naturwissenschaftlichen Preiskategorien. Nur zehn der 195 Preisträgerinnen und Preisträger des 100 Mal vergebenen Medizinnobelpreises sind Frauen (5,1 %). Der Nobelpreis in Chemie wurde bisher 101 Mal verliehen. Unter den 157 Ausgezeichneten sind nur vier Frauen (2,5 %). Und der bisher 103 Mal an insgesamt 187 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehene Physiknobelpreis ging nur zwei Mal an eine Frau (1,1 %).
(frauennrw.de, 07.12.2009)