Keine Annäherung in der Internetnutzung von Frauen und Männern in Sicht
Laut aktuellem (N)ONLINER Atlas der Initiative D21 ist die Internetnutzung in Deutschland im vergangenen Jahr um 2,9 Prozent auf 72 Prozent gestiegen. Binnen eines Jahres haben somit zwei Millionen Menschen die digitale Welt neu für sich entdeckt. Allerdings sind 28 Prozent und damit knapp 19 Millionen Menschen über 14 Jahren nicht online: Zu zwei Drittel sind dies Frauen.
Erstmalig liegen in diesem Jahr in allen Altersklassen die Onliner-Anteile der Frauen hinter denen der Männer. Auch wenn die Unterschiede in den Altergruppen variieren, gilt die Feststellung: Die Schere bei der Internetnutzung zwischen den Geschlechtern weitet sich wieder. In diesem Jahr sind 64,8 Prozent der Frauen gegenüber 79,5 Prozent der Männer online. Diese Differenz von 14,7 Prozentpunkten ist im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt gestiegen und damit sogar größer, als bei der ersten Datenerhebung im Jahr 2001 (damals betrug der Unterschied 13,7 Prozentpunkte).
Internetnutzung von Frauen variiert stark nach Bildung und Berufstätigkeit
Ein Blick auf die Internetnutzung nach Geschlecht und Bildung zeigt: Je niedriger der Bildungsabschluss, desto größer die Unterschiede bei der Internetnutzung zwischen Frauen und Männern. Nur bei den Schülerinnen gibt es einen kleinen Vorsprung von 1,5 Prozentpunkten bei der Internetnutzung gegenüber den Schülern. Zwar ist der Unterschied bei Akademikerinnen gegenüber Akademikern nur gering (2,2 Prozentpunkte weniger Frauen), aber schon bei den mittleren Bildungsabschlüssen werden die Abstände zweistellig (10,1 Prozentpunkte) und steigt in der Gruppe "Volksschule ohne Lehre" sogar auf über 30 Prozentpunkte (68,1 Prozent der Männer online gegenüber 36,1 Prozent der Frauen).
Im Berufsalltag sind Computer und das Internet nicht mehr wegzudenken. Daher ist der Online-Anteil der berufstätigen (inkl. z. Z. arbeitslosen) Frauen mit 82 Prozent sehr viel höher, als in der Gruppe der Nicht-Berufstätigen. Allerdings weisen berufstätige Männer einen Nutzeranteil von 89,1 Prozent auf, sodass auch in dieser Gruppe der Abstand über sieben Prozentpunkte beträgt. Auf stattliche 17,7 Prozentpunkte wächst der Abstand bei den nicht berufstätigen Frauen und Männern. Diese Differenz ist im Vergleich zu 2009 ebenfalls größer geworden, da der Online-Anteil der Frauen nicht in dem Maße gewachsen ist, wie der der Männer.
Abstand bei Internetnutzung von Männern und Frauen über 50 Jahre vergrößert sich weiter
Aufgeschlüsselt nach Alter und Geschlecht, werden besonders bei der Generation 50plus große Unterschiede in der Internetnutzung deutlich. Während der Unterschied in der Internetnutzung bei den 14- bis 49-Jährigen im einstelligen Prozentbereich liegt, bricht die Internetnutzung bei den Frauen über 50 Jahren deutlich ein. In der Altersdekade der 50- bis 59-Jährigen sind knapp 80 Prozent der Männer online, bei den Frauen allerdings weniger als zwei Drittel (64,6 Prozent). Die größten Nutzungsunterschiede gibt es in den Altersgruppen 60 bis 69 Jahre und 70plus. Hier betragen die Abstände zwischen den Geschlechtern gar 22,7 bzw. 22,2 Prozentpunkte. Während bei den über 70-Jährigen noch etwa jeder dritte Mann online ist, nutzt nur jede siebte Frau das Internet.
Situation in Nordrhein-Westfalen
In Nordrhein-Westfalen, das im Bundesländervergleich bei der Internetnutzung im Mittelfeld liegt, sind 65,2 Prozent der Frauen und 80,1 Prozent der Männer online (2009: 62,4 zu 76,7 Prozent). Die Zahlen entsprechen in etwa dem bundesdeutschen Durchschnitt.
Ursachen und Notwendigkeiten
Dass die Differenzen zwischen Männern und Frauen in den verschiedenen Teilgruppen immer größer werden, liegt vor allem daran, dass der Anteil der weiblichen Onliner weniger dynamisch wächst, als der der männlichen. Die aktuellen Wachstumsraten zeigen auch, dass Frauen auch in den nächsten Jahren das Internet nicht oder nur unwesentlich mehr nutzen werden. Die Geschäftsführerin des Bielefelder Kompetenzzentrums e.V. Birgit Kampmann schließt daraus das Fazit: "Offenbar ist es bisher nicht gelungen, älteren Frauen den persönlichen Mehrwert der Internetnutzung zu vermitteln." Sie sieht eine Notwendigkeit für innovative Ansätze, die die Bedürfnisse und Interessen der bisherigen weiblichen Nichtnutzer auch aufgreifen und verweist auf die Initiative "Internet erfahren - gemeinsam durchs Netz" des Bundeswirtschaftsministeriums.
Weiterführende Links:
(frauennrw.de, 30.07.2010)