Auch wenn Frauen die Hauptverdienenden sind, bleibt die traditionelle Arbeitsteilung in der Familie bestehen
Wenn Frauen die finanzielle Verantwortung für die Familie übernehmen, bleiben sie dennoch hauptverantwortlich für Kinder und Haushalt. Ein Großteil der Frauen gerät zudem unfreiwillig in die Rolle der Familienernährerin. Dies sind erste Ergebnisse zweier durch die Hans-Böckler-Stiftung geförderter Forschungsprojekte. Sie untersuchen, wie Frauen in die Rolle der Hauptverdienenden in einer Familie kommen, wie sie diese Situation erleben und ob sich dadurch ihr Arbeitspensum in Haushalt und Familie reduziert.
Familienernährerinnen in Ost und West
In Deutschland gibt es immer mehr sogenannte Familienernährerinnen. Das sind Frauen, die mindestens 60 Prozent zum Familieneinkommen erwirtschaften. In Westdeutschland gilt dies mittlerweile für rund 9 Prozent der Paarhaushalte, in Ostdeutschland sogar für etwa 15 Prozent. Dennoch sind die Hauptverdienenden in Haushalten immer noch in erster Linie Männer (69,6 % im Westen, 47,6 % im Osten).
Der Haushalt bleibt Frauensache
Der Mann ernährt die Familie, die Frau erzieht die Kinder - diese strikte familiäre Rollenteilung wird zunehmend seltener. Die aktuellen Forschungsprojekte zeigen: Die Partner von Familienernährerinnen übernehmen zwar einen größeren Teil der Kinderbetreuung und Hausarbeit als Männer in anderen Paar-Konstellationen. Doch die traditionelle Arbeitsteilung wird nicht umgekehrt. Auch mit Partner bleiben Familienernährerinnen in der Regel hauptverantwortlich für die Versorgung der Kinder und des Haushalts.
Hauptverdienende mit wenig Geld
Familienernährerinnen verdienen weniger als Familienernährer. Nur 43 Prozent der weiblichen Hauptverdienenden im Vergleich zu 78 Prozent der männlichen beziehen ein hohes Einkommen (über 1.600 Euro). Ein Drittel verdient sogar nur bis 900 Euro und muss von diesem Einkommen häufig noch den Partner und gegebenenfalls Kinder mit versorgen. Denn 40 Prozent der Partner von Familienernährerinnen sind arbeitslos und weitere 37 Prozent haben ein Einkommen im untersten Einkommensdrittel. Dementsprechend verfügen Haushalte mit Frauen als Hauptverdienerinnen über wenig Geld. Über die Hälfte (57 %) befindet sich im untersten Drittel der Einkommensverteilung.
Unfreiwillig
In die Rolle der Familienernährerinnen geraten Frauen also überwiegend unfreiwillig, entweder als Partnerinnen von arbeitslosen oder prekär beschäftigten Männern oder als Alleinerziehende. Auf längere Sicht möchten sie zum Zuverdiener- beziehungsweise egalitären Modell zurückkehren. Besonders im Osten Deutschlands streben hauptverdienende Frauen das Zwei-Verdiener-Modell an. Hier gab es im Jahr 2007 mit über 37 Prozent bereits deutlich mehr Haushalte mit gleich viel verdienenden Partnern als im Westen (rund 21 %).
Die Forschungsprojekte
Die parallel angelegten Forschungsprojekte, beide mit dem Titel "Flexible Familienernährerinnen", nehmen zum einen die Situation in Westdeutschland, zum anderen in Ostdeutschland in den Blick. In den von 2008 bis 2010 laufenden Untersuchungen werden quantitative mit qualitativen Forschungsmethoden kombiniert. Neben Auswertungen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) wurden knapp 90 qualitative Interviews mit Familienernährerinnen durchgeführt, die gleichzeitig Kinder haben.
Weiterführende Links:
(frauennrw.de, 20.08.2010)